Genau So hat alles angefangen

Demircan Dikmen, ausgebildet bei Hertha BSC Berlin, sammelte sogar Profi-Erfahrung bei Antalyaspor in der Türkei. Deutschlandweit kann er auf ingesamt über 170 Ober-und Regionalliga Spielen zurück blicken, wo er für Türkiyemspor, Hertha BSC II, Hertha 06, BSC Hürtürkel und dem VfB Homberg auflief.

Aktuell spielt er beim Berlinligisten Türkspor und verlängerte seinen Vertrag vor einigen Tagen.

Hallo Demircan, Heute würde ich gern mit dir zu den Anfängen deiner Fussballerischen Laufbahn blicken. Das Fussball-ABC hast du ja bei Hertha BSC gelernt, wie kommt man als Junge zu Hertha BSC, durch wen ist der Kontakt entstanden?

Genau, das Fußball-ABC habe ich bei Hertha BSC gelern. Ich war dort von 1995-2008 und habe von der F- Jugend bis zur u23 in jeder Jugendmannschaft gespielt. Damals hat mich mein Vater einfach mitgenommen und wir sind zur Geschäftsstelle gefahren, die war damals noch in der Behmstraße, im Wedding. Leider wurde uns gesagt, dass schon alles voll ist und es kein Platz mehr gibt. Mein Vater meinte daraufhin, ob ich nicht heute mal mittrainieren darf, weil ich mich so sehr darauf gefreut hatte. Daraufhin meinten sie, dass wir zum Platz sollen und den Trainer fragen, ob ich ausnahmsweise mittrainieren darf. Dann hab ich einmal gegen den Ball geschossen. Der Trainer ging zu meinem Vater und sagte ihm, dass ich nun mit zum Team gehöre.

Gab es damals schon den heute sogenannten Fördertrainingskader, wo Spieler aus anderen Vereinen einmal in der Woche ein Jahr trainieren und dann wird entschieden, ob sie verpflichtet werden?

Nein, das gab es damals noch nicht. Damals war alles ganz einfach. Es gab die F, E, D, B, A Jugenden.

Wie oft und intensiv habt ihr damals trainiert?

Wir haben ganz normal 2 mal in der Woche trainiert und am Wochenende gespielt. Der Spaß stand immer im Vordergrund, wie es sich bei Kindern gehören sollte.

Ist es wirklich so, dass man schnell aussortiert wird und immer sein Potential abrufen muss, sonst ist Schluss? Ist der Druck größer als vielleicht bei einem kleineren Verein? Leidet eventuell der Spaß am Fussballspielen?

Zu meiner Zeit war es nicht so, dass man schnell aussortiert wurde. Wir haben auch nie ein Druck verspürt oder ähnliches. Wir hatten einfach nur Spaß und haben Fußball gespielt, wenn Jemand vielleicht mit seiner Entwicklung nicht soweit war, dann hat er nicht in der 1 E, sondern in der 2 E gespielt und Jeder der zur Mannschaft gehört hat, hat auch gespielt, sodass er am Ende des Tages glücklich war. Heutzutage ist es leider so, dass viele Vereine oder auch Trainer leider Ergebnisorientiert denken und einfach nur gewinnen wollen und die Kinder zwar in ihrer Mannschaft aufnehmen, um z.b. Monats-Beitrage von den Eltern zu bekommen, aber lassen Sie ganz selten spielen und dadurch verlieren die Kinder die Lust am spielen, was sicherlich falsch ist.

Wer hat dich in all dieser Zeit unterstützt, um bei Hertha zu bestehen?

Meine Familie, allen voran mein Vater und meine Onkels waren immer da, alle haben mich zu den Spielen gefahren, wenn mein Vater beispielsweise keine Zeit hatte, wusste Ich das einer meiner Onkels mich zum Spiel oder Training bringen würde, dafür bin ich ihnen heute noch dankbar. Ich hatte Glück, dass ich Talent hatte und das sieht man bei Hertha BSC gerne.

Schon seit einiger Zeit werden die Kinder für die Berater schon sehr früh interessant. Es gibt ab einem bestimmten Alter schon Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen. Wie denkst du darüber?

Ein Kind sollte keinen Berater bis zur A- Jugend brauchen, wenn man später das Potenzial hat, dann werden sich die besten Berater bei dir melden. Der beste Berater ist die Familie und der Trainer, der nicht Ergebnissorientiert denkt, sondern erst an das Kind denkt. Man muss die Kinder in Ruhe lassen und sie müssen Kinder sein und das machen was kinder gerne tun, nämlich Spaß haben. Man muss sie Fehler machen lassen und ihnen die dann aufzeigen und erklären, denn nur so können sie lernen und sich weiterentwickeln. Bis zur A-Jugend hatte ich keinen Berater. Viele Leute haben meinen Vater und meine Onkels angesprochen, aber das war nichts für uns. Als ich in der A-Jugend war, kamen dann die ganz großen, wie Neubauer und Van Burik. Ein Verein sollte dass Recht auf eine Ausbildungsentschädigung haben, wenn ein Kind jahrelang bei ihnen ausgebildet wurde. Es sollte dafür dann aber Regeln geben, ab 5 Jahre soviel Ausbildungsentschädigung und weiter steigend, finde ich.

In der heutigen Zeit werden auch in der Jugend die Spieler, mit Geldern, Führerscheinen etc. gelockt, um den Spieler für sich zu gewinnen. Es ziehen sogar ganze Familie um, nur damit der Traum eines Profis war wird. Denkst du, dass dies der richtige Ansatz ist, geht es nicht mehr anders?


Leider hat es sich in diese Richtung entwickelt, dass der Fußball ein richtiges Geschäft geworden ist, wo die Eltern einfach hoffen, dass ihr Kind Profi wird, um die Familie abzusichern, aber bemerken nicht welche Last auf dem Jungen sitzt. Man sieht ja wieviele Talente richtig kicken können, aber den Durchbruch durch den Druck und den Vereinen einfach nicht bewältigen. Für mich ist das der falsche Weg, aber leider ist das die Realität.

Es gibt auch wirklich sehr ehrgeizige Eltern, die aus ihrem Kind alles rausholen wollen, wie denkst du darüber und welche Erfahrungen konntest du selbst machen?

Diese Eltern wissen nicht, dass sie damit eigentlich nur ihrem Kind schaden. Ich kann von mir sprechen, dort war es nie der Fall. Meine Eltern wollten, dass ich auf jeden Fall meine Schule beende. 2005 hatte ich die Möglichkeit zu Fenerbahce in die Türkei zu wechseln, wo ich schon für die B-Jugend als älterer Jahrgang auflief, aber mein Vater meinte nein, da ich zu derzeit mein Abitur gemacht hatte und das obwohl wir in der Familie alle Fenerbahce Fans sind. Druck oder sonstiges habe ich nie verspürt.

An welche Momente erinnerst du dich noch heute, als du Jugendspieler bei Hertha BSC warst und wie sehr hat dich die Zeit geprägt?

Es war eine super Zeit. Ich hab mit Jérôme Boateng jahrelang zusammen gespielt. Mit Kevin Boateng, Patrick Ebert, Chinedu Ede, Manuel Schmiedebach und vielen mehr. Es gab viele gegen die ich gespielt habe: Mesut Özil, Nuri Sahin und viele mehr. Die ganzen Hallenturniere in der C, B Jugend waren überragend. Ich wurde bei fast jedem Turnier Torschützen König, B Jugend Bundesliga oder A Jugend Bundesliga. Das werde ich nie vergessen. In der Liga wurde ich ebenfalls fast immer Torschützen König. Es gab wirklich soviele schöne Momente für mich

Was kannst du jungen Spielern mitgeben, um vielleicht den Sprung ins Profigeschäft zu packen?

Sie müssen Geduld haben und an sich glauben und nicht den Glauben, bei einem negativen Erlebnis verlieren und nie zufrieden sein mit dem was sie erreicht haben, sondern versuchen sich immer zu verbessern. Man braucht vorallem auch viel Glück im Profigeschäft, z.B. das der Verein oder der Trainer auf dich baut, sonst hat man keine Chance, so sehr man auch talentiert ist. Es gibt dafür viele Beispiele.

Demircan Dikmen: Fupa, Transfermarkt

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