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Spielberichte: Berlin & Brandenburg

Ich war immer eine ehrliche Haut, vielleicht manchmal zu ehrlich…

Er hatte alles, um den Sprung in den Profibereich zu schaffen. Angefangen als Straßenfussballer beim 1. FC Wilmersdorf, bewies er sich in den Jugendmannschaften von Hertha 03 Zehlendorf, Tebe Berlin, Wolfsburg und Frankfurt. Er durfte mit Größen wie, Jerome Boateng, Manuel Schmiedebach und Änis Ben-Hatira zusammenspielen, doch er stand sich selbst im Weg. Heute blicken wir zusammen mit Kaan Oguz Ergün zurück und erfahren einiges über seine Jugendzeit.

Als kleiner Junge hat ihn selbst immer der Basketball fasziniert, doch sein Bruder wies ihn den Weg zum Fussball. Wie viele andere Jungen in seinem Alter, machte auch er seine Ersten Erfahrungen mit dem Runden Leder, auf den Bolzplätzen Berlins. Er hatte sichtlich Spaß am spielen und schloß sich seinem Ersten Verein an, dem 1. FC Wilmersdorf, für den er bis zur E-Jugend spielte. Schon einige Zeit später wurde Hertha 03 Zehlendorf auf ihn aufmerksam, für die er 2 Jahre lang die D-Jugend Mannschaft durchlief. Er fiel weiterhin mit seinen Leistungen auf, sodass sich Tennis Borussia für ihre C-Jugendmannschaft, die Dienste des Deutsch-Türken für ein Jahr sicherte. Er spielte außerdem für sämtliche Auswahlmannschaften in Berlin. Durch sein Engagement in den Berliner Auswahlmannschaften wurden große Bundesliga Mannschaften wie, Wolfsburg, Frankfurt und Braunschweig auf ihn aufmerksam. War das der nächste Schritt in die richtige Richtung?

Kaan beim VfL Wolfsburg (grünes Trikot)

Angekommen in seinem 1. Jahr beim VfL Wolfsburg hatte Kaan die Chance in der Türkischen Nationalmannschaft aufzulaufen, verletzte sich leider und konnte kein Spiel für seine Heimat bestreiten. Trotz seines steilen Erfolgs, war der Druck als junger Spieler immer sehr hoch. Die Vereine verlangten viel von ihm, schwache Momente durfte er nicht haben. Schon in den Jugendmannschaften war alles sehr professionell. Es herrschte ein kostanter Konkurrenzkampf, man hatte eigentlich keine Freunde. Er musste sich jeden Tag neu motivieren, trainierte 4-5 Mal die Woche, teilweise 2 Mal am Tag. An den Samstagen vor den Spielen bereiteten sich er und sein Team auf den bevorstehenden Spieltag vor, trainiert wurden Standards, Torschüsse und Koordinationsübungen rundeten das Training ab.
Kaan wollte den Druck immer kompensieren. Er ist in der Zeit bei Wolfsburg oft nach Berlin gefahren, um Zeit mit seiner Familie zu verbringen, denn das fehlte ihm sehr.

Er erinnert sich noch daran, wie er als noch B-Jugendlicher mit der A-Jugend nach Eindhoven fuhr und gegen Karim Benzema und Ryan Babbel spielen durfte. Viele weitere Fussballgrößen wie Mesut Özil, Nuri Sahin, Tony Kross, Sandro Wagner und einigen weiteren konnten er zu seinen Gegnern zählen. Kaan feierte in seiner Zeit bei den Wolfsburger, die Meisterschaft und nahm an der Deutschen Meisterschaft teil. Trotz der ganzen Erfolgsgeschichten hat er nie den richtigen Durchbruch zu den Profis geschafft.

Heute blickt er zurück und ist der Ansicht, dass es für ihn persönlich besser war, kein Profi zu werden.

Kaan:

Ein Sportler kann Talent besitzen, aber dieses Talent ist lange nicht ausreichend dafür, das man auch tatsächlich den Durchbruch schafft. Viel mehr sind es Kleinigkeiten, die das ganze zum großen wachsen lassen. Ich hätte viel mehr, vielleicht in einigen Momenten auch etwas leiser sein müssen, nicht aktiv, vielleicht auch besonnener reagieren müssen. Ich gehöre zu der Natur Mensch, der viele dinge Persönlich genommen hat, zu sehr an mich ran gelassen hat.

Um Profi zu werden gibt es für mich keine Formel, entweder hat man das Glück und den absoluten Willen oder man wird immer kritisiert oder auch ins schlechte Licht gerückt, um den anderen Stark zu machen.

Die positiven Erlebnisse sind die Erfolge, die Hungrigkeit nach Erfolgen, an denen man auch zerbrechen kann. Für mich persönlich, war die Erfahrung sehr gut, zu sehen was man im Leben erreichen möchte.

Ich kann von mir sagen, dass ich immer eine ehrliche Haut war, vielleicht manchmal zu ehrlich, sodass es in diesen Bereichen nicht gut angekommen ist.

Kaan Ergün (links im Bild)

Den jungen Spielern von heute empfiehlt er,

dass sie sich klar machen sollen, wollen sie wirklich. In Erste Linie müssen junge Spieler wissen, was Sie wollen, nur so können sie die Liebe zu ihrem Beruf bzw Sport selbst bestimmen, denn es ist sehr Schwer zusagen, bei vielen Top Sportlern, ob sie tatsächlich den Sprung in den Profi Bereich auch schaffen.
Man muss immer seinen beruflichen Werdegang vor Augen halten, sodass man immer einen Weg verfolgt. Wichtig ist, dass man dieses Leben als Sportler leben und lieben muss. Wer im Fussball generell im Sport weiter kommen möchte, muss sich im klaren sein, dass man sein leben dafür definitiv einschränken muss.

Heute spielt der 32 Jährige nach seiner letzten Männerstation beim SV Schwarz- Rot Neustadt/Dosse, spielt er aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr aktiv Fussball.

Weitere Infos zu Kaan Ergün
Bericht: Diefussballamaterure
Fotos: Kaan Ergün




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