Kai Brandt, leidenschaftlich, ehrgeizig und akribisch

Kai Brandt, Trainer im Ersten Jahr beim Türkischen Berliner Traditionsverein Al Dersimspor (Berlinliga). Wir konnten uns mit ihm unterhalten und einiges erfahren.


Hallo Kai,


durch die aktuellen Ereignisse wirst wahrscheinlich auch du eher ohne Fussball auskommen müssen, wie nutzt du die Auszeit als Trainer?


Erstmal muss ich sagen, dass es für mich persönlich, eine grauenhafte Zeit ist, so ganz auf Fussball und auf meine Jungs zu verzichten, aber ganz klar ist, dass die Gesundheit über allem steht und diese Auszeit völlig richtig ist. Als Trainer fährst du aber nicht komplett runter. Ich analysiere weiterhin unseren Saisonverlauf und plane Trainingsinhalte, desweiteren bilde ich mich weiter und ich versuche mich auf alle Eventualitäten einzustellen.

 

Wie gehen deine Spieler mit der aktuellen Situation im Deutschen Fussball um und welche Aufgaben hast du ihnen vielleicht gegeben, um irgendwie fit zu bleiben?


Wir haben das Thema, kurz bevor es zur Generalabsage durch den BFV kam, mit den Jungs besprochen. Natürlich gab es Fragen, Sorgen und Verunsicherung, denn jeder hat Familie zu Hause und wir möchten alle, dass es Ihnen gut geht. Die Spieler können selber entscheiden wie sie die Pause nutzen. Wir haben ihnen keinen festen Plan an die Hand gegeben. Jeder Spieler ist für seinen Fitness Zustand selbst verantwortlich und das haben wir ihnen auch so gesagt. Ich weiss, aber das einige unserer Jungs gar nicht auf sportliche Aktivitäten verzichten können. Ich gehe daher davon aus, dass wir uns noch erkennen, wenn wir uns wiedersehen.

 


Kommen wir mal zu deiner Sportlichen Karriere. Wann und wie bist du zum Fussball gekommen?


Unser damaliger Nachbar Jörg Schmidt (langjähriger Trainer beim VfB Hermsdorf), spielte in der Herrenmannschaft von Rapide Wedding. Ich hatte ein sehr gutes und enges Verhältnis zu ihm. Er nahm mich zu einem Heimspiel mit, da war ich 5 Jahre alt. Danach war für mich klar, dass ich Fussball spielen möchte. Ich durchlief alle Alterstufen bei Rapide, spielte die letzten 3 Jahre mit Niko Kovac zusammen und war im Kader der Berliner Auswahl. Es war rückblickend eine recht erfolgreiche Zeit. In meinem ersten Männerjahr für Rapide (damals Oberliga) musste ich dann berufsbedingt (Ausbildung bei der Berliner Polizei) kürzer treten und machte eine 2 Jährige Pause. Nach Beendigung meiner Ausbildung klingelte mein Telefon und Jörg war am anderen Apparat. Er war jetzt Trainer beim RFC Liberta, die einen rasanten Aufstieg feierten und er überzeugte mich nochmal die Töppen zu schnüren. Wir feierten noch 2. Aufstiege zusammen. Im 3. Jahr verletzte ich mich dann schwer am Knie. Das vordere Kreuzband und der Innenmeniskus waren gerissen und das bedeutete für mich das fußballerische Aus.

 



Wann hast du gemerkt, dass Trainer sein genau das richtige für  dich ist?


Nachdem ich selber nicht mehr Fussball spielen konnte, schaute ich mir natürlich trotzdem weiter Fussballspiele an. Ich ertappte mich dabei, dass ich Spiele jetzt anders betrachtete, nicht mehr wie ein Spieler, sondern eher wie ein Trainer. Hinzu kam, das unser Sohn geboren wurde und es sich sehr schnell gezeigt hat, das er die Ballverliebtheit von mir vererbt bekommen hatte. Er fing mit 3 Jahren an zu kicken, ebenfalls beim RFC Liberta, da dort häufig der Trainer ausfiel, sprang ich hin und wieder mal ein. Ich hatte riesigen Spaß daran. Als mein Sohn dann zu den Reinickendorfer Füchsen wechselte (E-Jugend), kaufte mich sein damaliger Jugendtrainer Micha Linde gleich als seinen Co-Trainer mit ein. Ich versuchte viel zu lernen und schaute mir viel ab. Ich übernahm dann die D-Junioren und wurde auf Anhieb Berliner Meister und Pokalsieger. Es folgten noch weitere erfolgreiche Jahre und somit war meine Trainertätigkeit besiegelt.


 

Seit einigen Monaten trainierst du die 1. Herren der Berlinliga-Mannschaft von Al Dersimspor. Wie ist der Kontakt zu Al Dersim entstanden und warum hat dir genau der Verein zugesagt?


Der Kontakt wurde über meine beiden Spieler, den Aktürk Brüdern hergestellt. Beide Jungs kenne ich schon von klein auf, auch sie spielten in der Jugend für die Füchse. Desweiteren kenne ich unseren sportlichen Leiter, Erdal Güncü, noch aus meinen aktiven Zeiten von Rapide Wedding. Erdal war zwar der jüngere Jahrgang, aber wir kannten uns. Wir sind uns auf den Plätzen immer mal wieder begegnet und als ich Füchse-Trainer war, war er Trainer von Al-Dersimpor. Wir hielten locker Kontakt, bis er sich dazu entschloss seine Trainertätigkeit einzustellen. Er und die beiden Aktürk Brüder brachten dann meinen Namen beim Vorstand von Al Dersimspor ins Spiel, und dann nahmen die Dinge ihren Lauf.  Nach Beendigung meiner Trainertätigkeit bei den Füchsen, brauchte ich erstmal eine Pause. Nachdem die Akkus wieder aufgeladen waren, gab es einige Anfragen, von der Bezirks, bis hin zur Berlin-Liga. Entscheidend für eine Zusage bei Al-Dersim war das Treffen mit dem kompletten Vorstand. Beide Seiten kannten sich nicht und Niemand wusste wie das Gespräch verlaufen würde. Ich stellte schnell fest, das meine kleinen Bedenken völlig unnötig waren. Es waren sehr herzliche und offene Gespräche und für beide Seiten wäre es eine spannende Angelegenheit, da ich der erste deutsche Trainer im Verein sei. Nach dem Gespräch war für mich und dem Vorstand klar, das wir gemeinsam den Weg gehen wollen.


 

Du warst ja vor nicht langer Zeit noch beim Liga Konkurrenten den Reinickendorfer Füchsen, warum ging es dort sportlich für dich nicht weiter?


Man teilte mir telefonisch mit, dass wir zu wenig Punkte gesammelt hätten, obwohl wir mit 5 Punkten Vorsprung über den ominösen Strich standen. Wir hatten noch 4 Spieltage bis zur Winterpause zu gehen und wären auf Mannschaften getroffen, die mit uns auf Augenhöhe waren. Desweiteren standen wir im Pokal im Achtelfinale. Somit kam die Entbindung meiner Trainertätigkeit bei den Füchsen für mich schon überraschend, zumal es keinerlei Hinweise zuvor gab.

 

Wie würdest du dich als Trainer bezeichnen?

Das ist nicht einfach, aber ich werde es einmal versuchen:
Ich bin ein sehr kommunikativer, leidenschaftlicher, ehrgeiziger und akribischer Trainer. Ich möchte meinen Spielern Spannung, aber auch Spass vermitteln. Ehrlich/- und Pünktlichkeit, Fairness, Respekt und die Einhaltung von Regeln sind wichtige Eigenschaften, die ich versuche meinen Jungs vorzuleben.


 


Wirst du auch kommende Saison Trainer bei Al Dersimpor bleiben?

Wir werden uns demnächst zusammen setzen und in Ruhe alles besprechen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Aufgabe hier, aber es gibt auch noch viel zu tun. Beide Seiten müssen ein gutes Gefühl haben, dann bleibt alles wie es ist. Ich denke und das ist mir vom Vorstand auch so mitgeteilt worden, das sie mit meiner Arbeit und der vom kompletten Trainerteam sehr zufrieden sind. Also warten wir mal ab was die Gespräche ergeben.

Kai Brandt –> Trainerprofil

 

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